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14.04.2021 Holte: Neue Klöppel für Glocken der St. Clemens-Kirche

Austausch nach über 80 Jahren
Holte: Neue Klöppel für Glocken der St. Clemens-Kirche
Von Martin Reinholz
Lähden. Die Glocken im Holter Gotteshaus haben neue Klöppel erhalten.
Die einschiffige St. Clemens Kirche im Lähdener Ortsteil Holte-Lastrup zählt zu den ältesten und mit ihrem im barocken Stil gestalteten Innenraum auch zu den sehenswertesten Gotteshäusern im Emsland.
Die Schönheit des Kircheninnenraumes wurde nach der umfangreichen Sanierung in den Jahren 1998 bis 2000 für den Besucher sichtbar. Die bei der Sanierung unter der alten Wandfarbe wieder zum Vorschein gekommene blaue Vorhangwandmalerei hinter dem Hochaltar wie auch hinter der Kanzel ist rekonstruiert worden und einzigartig im norddeutschen Raum
Nun wurde ein weiterer Sanierungsschritt notwendig. Die wahrscheinlich aus den 1940er Jahren stammenden Klöppel der drei Kirchenglocken und die dazu gehörige Geläuttechnik mussten ausgetauscht werden, damit die Glocken auch weiterhin über die Grenzen Holtes hinaus zu hören sind.
Erstmalig wurde im Jahr 1276 urkundlich erwähnt, dass es in Holte eine Kirche gibt. Diese wurde den Überlieferungen zur Folge im Jahr 1525 im gotischen Stil umgebaut. Die umfassende Umgestaltung des Innenraumes in den heutigen, barocken Stil erfolgte in den Jahren 1705 bis 1736 durch die Quakenbrücker Bildhauerwerkstatt von Thomas Simon Jöllemann, so berichtet die Chronik.
Besondere Zeugnisse von Jöllemanns Fertigkeiten sind der zentrale Hochaltar in der Mitte des Kirchenschiffes, die beiden kunstvollen Seitenaltäre, die Pietà und die kunstvoll gestaltete in den Kirchenraum ragende Kanzel. In Fachkreisen wird die reiche barocke Ausstattung dieser Kirche zu den Meisterwerken emsländischer Bildschnitzkunst gezählt. Weitere Zeugnisse mittelalterlicher Sakralkunst sind der inmitten des Kirchenraumes platzierte Sandsteintaufstein aus dem 13. und ein romanisches Holzkreuz aus dem frühen 14. Jahrhundert.
Der im Jahr 1851 an die Kirche angebaute massive Kirchturm verfügt über ein Geläut von drei Glocken. Die kleinste hat einen unteren Durchmesser von 94 Zentimetern und wiegt etwa 500 Kilogramm. Die mittlere hat einen unteren Durchmesser von 118 Zentimeter und wiegt
1 050 Kilogramm, die große Glocke mit einem unteren Durchmesser von 129,5 Zentimeter verfügt über ein Gewicht von 1 350 Kilogramm.
Nach Fertigstellung des Turmes im Jahr 1851 wechselten die bis dahin in einem provisorischen Glockenstuhl eines Holzturmes neben der Kirche aufgehängten Glocken an ihren endgültigen heutigen Platz. Dort blieben sie auch hängen, obwohl sie im Krieg beschlagnahmt wurden und zu Munition verarbeitet werden sollten.
Bei den Glocken der Holter Kirche handelt es sich „womöglich um einige der ältesten Glocken im Bistum Osnabrück“, vermutet Andreas Bleise, Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Miteinander, zu der die Kirchengemeinde Holte gehört. Die Glocken läuten in den Tönen d`, dis` und a` erklärt Bleise weiter.
Die „große“ und die „mittlere“ Glocke sind aller Wahrscheinlichkeit nach Werke des Gießers Wolter Westerhues, der in Münster eine Glocken- und Geschützgießerei betrieb, berichtet Bleise. Westerhues goß Glocken für Kirchen in Münster, Nordhorn und Rheine, und so soll er auch die Glocken für die Berßener Kirche geschaffen haben.
Die große Glocke trägt die lateinische Inschrift: „Maria, mater gracie, mater misericordie, tu nos ab hoste protege, in hora mortis suscipe“ – zu deutsch – „Maria, Mutter der Gnade, Mutter der Barmherzigkeit, behüte uns vor dem Feind und nimm uns auf in der Todesstune“ ergänzt um die Jahresangabe 1509. Die mittlere Glocke ziert der Satz: „O, unsere Mutter, dreimal heilig, viermal selig: Mit demütigem Gebet der Kinder nimm an ihre Versprechen, heilige Catharina.“ Ergänzt ebenfalls mit der Jahreszahl 1509.
Weitaus älter ist die kleinste der drei Holter Glocken. Diese stamme aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, erklärt Andreas Bleise. Sie trägt die Inschrift „Sei gegrüßt hehre Jungfrau Katharina“ auf Latein. Ihre Anschaffung dürfte wohl mit der Stiftung der Katharinen-Vikarie im Jahr 1348 zusammenhängen, so Pfarrer Bleise.
Nun wurden die etwa vierzig bis fünfzig Kilogramm schweren Klöppel der drei Glocken ausgetauscht. Martin Wieschus, Techniker für kirchturmtechnische Anlagen aus Dorsten, nahm den Austausch vor. Die alten Klöppel stammten seiner Einschätzung nach aus den 1940er Jahren, erklärt der Techniker. Die alten Klöppel wurden aus den Glocken im Kirchturm ausgehakt und mit Hilfe eines Flaschenzuges heruntergelassen. Im Gegenzug wurden die neu gegossenen Klöppel in den Glocken eingehängt.
Damit die neuen Klöppel den richtigen Ton treffen, werden alle notwendigen Daten im Vorfeld in Abstimmung mit der Glocke berechnet, erklärte Wieschus bei der Installation der neuen Tongeber. Zudem wurde die Steuerungsanlage der Geläuttechnik erneuert. Die Gesamtkosten der Sanierungsmaßnahme bezifferte Pfarrer Andreas Bleise auf etwa 14 000 Euro, woran sich das Bistum Osnabrück hälftig beteiligt.
Die alten Klöppel, die über acht Jahrzehnte dir Holter Glocken zum Erklingen brachten, sollen nach dem Willen von Andreas Bleise in Holte verbleiben. Irgendwo wird sich sicherlich ein angemessener Platz für die Geschichtszeugnisse finden lassen, hofft der Geistliche.

Zu den Bildern:

Die mittlere Glocke (oben) und die große Glocke (unten) im Holter Kirchturm wiegen zusammen schon 2 400 Kilogramm. Foto: Martin Reinholz
Vermutlich aus den 1940er Jahren stammen die alten Klöppel der Holter Kirchenglocken. Foto: Martin Reinholz
Mit einem Flaschenzug wurden die neuen Klöppel in den Kirchturm verbracht, um in die Glocken eingehakt zu werden. Foto: Martin Reinholz
Martin Wieschus (rechts) erklärt Andreas Bleise die Stempelzeichen an den neuen Klöppeln. Fotos: Martin Reinholz
Die alten Klöppel sollen in Holte bleiben. Foto: Martin Reinholz

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